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Das Musikantendorf Hundeshagen in
Vergangenheit und Gegenwart

Der Ort Hundeshagen liegt ungefähr in der Mitte des
Eichsfeldes, in einem anmutigen Tale, rings von bewaldeten und sanft
ansteigenden Höhen umschlossen. Ein Bach, mit den Namen "Nisse" schlängelt sich
durch das Straßendorf und zählt heute ca.1300 Einwohner. Der ursprüngliche
Dorfkern befand sich im Bereich der heutigen Straße "Kiel".

1282 urkundliche Ersterwähnung als Hundeshagen
(wahrscheinlich 15.04. von Huno's Hagen) Die Ritter von Westernhagen erwarben
das Patronatsrecht der Kirche von Hundeshagen vom Kloster Teistungenburg.
1312 Graf Otto von Lutterberg (Schloss zu
Lauterberg) übertrug seine Voigtei über Hundeshagen dem Adelsgeschlecht von
Westernhagen
1370 Die von Westerhagen bewilligten dem
Pfarrer von Hundeshagen einen Zins von 2 Schillingen für heilige Messen
1551 Eine Liste belegt für Hundeshagen 28 Steuerzahler der sogenannten
Türkensteuer
1570 Alle Westernhagen'schen Dörfer führten
wegen drückender Dienstbarkeit Klage beim Reichskammergericht zu Speyer. Diese
Klage führten die Dörfer mal mehr, mal weniger heftig bis 1573. Ob die Bewohner
je Erleichterung ihrer Frondienste erreichten, ist nicht bekannt.
1574-1635 Unter dem Einfluss derer von
Westernhagen wenden sich die Einwohner Hundeshagens dem Protestantismus zu.
um 1599 Entsprechend einer Aufzeichnung aus dieser Zeit, sollen Hundeshagener
Volksmusikanten mit Dudelsack und Klarinette in verschiedenen Orten zum Tanze
aufgespielt haben.
1608 543 Einwohner des Dorfes wurden zur
katholischen Religion bekehrt

1618-1648 Der 30 jährige Krieg geht an Hundeshagen recht glimpflich vorbei, aber
er belastet das Dorf finanziell doch sehr stark
1635 Die drei Westernhagen'schen Prediger
wurden des Landes verwiesen
1699 Seit dieser Zeit existieren die
Kirchenbücher in Hundeshagen. Die ersten Eintragungen sind folgende: Am
02.Januar 1699 ist Nikolaus Blase seine eheliche Hausfrau begraben. Am 20.Januar
1699 hat Hans Wilhelm Lindenschmidt eine Tochter taufen lassen, die den Namen
Anna Margaretha erhielt. Die Paten waren Markus Jünemann und die Tochter von
Hans Ferse, namens Margaretha. Am 28.Oktober 1699 sind Andreas Borchardt und
Margaretha Sauer kopuliert
um 1700 Die Herren von Westernhagen gründen
unterhalb der Burg Osternhagen auf ihrem eigenen Grund und Boden die Kolonie
"Freiheit". Aufgenommen wurde jeder, der den Schutz bezahlte. Diese Leute
erhielten außerdem noch einen Bauplatz für ein eigenes Häuschen. Weiteres Land
bekamen sie jedoch nicht und so fehlte es ihnen an lohnender Beschäftigung.
Kümmerlich ernährten sie sich als Wollkämmer, Lumpen-sammler, Besenbinder,
Korbflechter, Dachdecker, Kesselflicker und dgl.
1736 Das Dorf hat 498 Einwohner
1747 Unter A 37 a XIX Justizwesen ist im Archiv
zu Magdeburg folgendes Aktenstück zu finden. Es trägt die Überschrift:
"Landespolizeiliches Vorgehen gegen das in Westernhagen'schen Gericht
angesiedelte Gesindel". Die Regierung in Heiligenstadt berichtete nach Mainz,
dass seit mehr als 50 Jahren die von Westerhagen in ihrem Gerichtsbezirke
sehr viele kleine Häuser und Hütten bauen. Sie ließen es auch geschehen, dass
die Anbauer auch noch Einmietlinge aufnehmen dürften, die recht eine verdächtige
Lebensweise hätten. Unter dem 17.03.1747 berichtet Hagen von Heiligenstadt, dass
in den Dörfern Berlingerode, Bleckenrode, Teistungen und Hundeshagen sich
sogenannte Freiheitshäuser befinden, die mit Erlaubnis der Herren von
Westernhagen gegen gewisse Abgaben zu bauen erlaubt würde.
Den Anbauern wurde
gestattet, so viele Einmietlinge anzunehmen, wie sie wollten. Jeder Einmietling
musste jährlich an den Herren von Westernhagen, als Grundherren, den sogenannten
Häuslingstaler geben. Wenn er seine Wohnung wechselte, muss der den Taler wieder
bezahlen. Berlingerode hatte 25, Bleckenrode 9, Teistungen 3 und Hundeshagen 31
Freiheitshäuser. Genannt werden unter anderem folgende Namen: Barbara Döring,
Hans Hund, Martin Rückemesser, Hans Schmalstieg, Maria Hackert, Hans Joachim
Müller, Christoph Jakobi, Simon Döring, Barbara Dette, Johann Müller, Rachel
Kellner, Christian Erhardt, Berndhard Urbach, Hans Heurich, Barbara Kirsch,
Konrad Gerwich, Hans Wolf, Jonas Müller, Christian Weißenstein, Bernhard
Schmalstieg Hans Adam Lange, Bastian Schulze, Christian Waldhelm, Friedrich
Hartung, Hans Georg Groll und Christoph Krippendorf.
Der Kurfürst bestimmt: "Was steht soll stehen bleiben, neue Freiheitshäuser
dürfen nicht mehr gebaut werden. Verdächtige Personen sind aus den Häusern zu
schaffen. (15.04.1747)"
1771-1772 Es war eine solche Hungersnot, dass
in diesem Orte 100 Personen an Hunger gestorben sind und alte Menschen sahen aus
wie "Tote Leichen". Das Korn war nicht allein teuer, sondern es war keines zu
haben, man hatte manchmal in zwei, drei oder vier Wochen keine Mundvoll Brot und
auch nichts zu kochen. Gras und Brennessel musste man essen wie das Vieh. Gott
behüte jeden Menschen für solch eine Zeit.
Karl Wüstefeld "Kloster Teistungenburg":
In den Jahren 1771/1772 waren infolge der nasskalten Witterung die Ernten
schlecht ausgefallen. Die Fruchtpreise erreichte eine ungeahnte Höhe und es
entstand auf dem Eichsfelde eine große Hungersnot. Der Mangel an Nahrungsmittel
war so groß, dass die armen Leute Gras, Disteln, Heddrich, Löwenzahn und andere
Kreuter kochten und verzehrten.
Aus Kleie und Wasser backten Sie ein hartes und
sehr schwer zu verdauendes Brot. Sogar Fleisch von tot gegangenen Tieren wurde
verzehrt. Infolge der schlechten Nahrung brachen mancherlei Krankheiten aus und
viele Menschen starben. Von großem Segen für die Gegend und Bevölkerung war
damals das Kloster Teistungenburg, das sich der Armen erbarmte und seinen ganzen
Vorrat an sie verteilte. Täglich erhielten daselbst 1500 Personen ihr
Brot. Die vorbeiziehenden Wanderer sind in der Summe nicht enthalten.
1773 Die Ernte war ziemlich gut, aber es gab
eine große Mäuseplage.
1780 Ein Herr Namens Josef Neumann aus
Böhmen, verheiratet mit einer Frau Elisabeth Sibilitz aus Hundeshagen, spielte
eine ganze Reihe Instrumente. Seine Frau Elisabeth war ebenfalls sehr
musikalisch und erlernte das Spielen auf der kleinen, sogenannten böhmischen
Begleitharfe.
um 1789 Die Eheleute zogen von Ort zu Ort und
spielten auf Festen zum Broterwerb. Sie unterrichteten in Hundeshagen und
besonders in der Kolonie "Freiheit" viele Personen in den verschiedensten
Instrumenten. Die Mädchen und Frauen erlernten das Harfen- und Gitarrenspiel,
die Burschen und Männer wandten sich der Fiedel und dem Flötenspiel zu. Da die
wirtschaftlichen Möglichkeiten besonders in der "Freiheit" wegen fehlenden Grund
und Bodens sehr eingeschränkt waren und Handwerk allein zu Broterwerb im Dorf
ebenso wie im gesamten Eichsfeld nicht ausreichte, entwickelte sich neben den
Wanderhandwerkern in Hundeshagen eine neue Erwerbsgruppe, die Wandermusikanten.
Damit entwickelte sich hier, ein für diese Gegend einzigartiges Handwerk.
1790 Aus dem Kirchenbuch: Pfarrer Kachel stammt
aus Breitenbach und war Pfarrer von Berlingerode von 1775-1808 und berichtet:
Hundeshagen hat in diesem Jahre 107 Familien, 465 Einwohner und 345
Kommunikanten die Freiheit 24 Familien, 126 Einwohner und 86 Kommunikanten. In
Hundeshagen befinden sich auch einige Lutheraner aber keine Juden. Als Gehalt
des Lehrers werden 50 Gulden angegeben. Einen Kaplan hatte der Pfarrer in diesem
Jahr nicht und die Franziskaner von Worbis mussten Sonntags aushelfen.
1793 Zwischen dem 21. und 22.September fiel in
der Nacht 1/2 Fuß hoher Schnee, so das die Bäume davon zerbrochen sind. Danach
war wieder herrliches Herbstwetter.
1794 hat das Korn auf Markus geschoßt, 12. Mai
geblüht und Jakobi wurde der Weizen reif.
1796 19.Dezember in Hundeshagen ein emigrierter
französischer Priester gestorben und begraben, Josef Janwel, er lebte hier 1
Jahr, 7 Wochen. Die Leute haben ihn erhalten. Die Franziskaner Paters in Worbis
haben in Hundeshagen und Ferna fleißig ausgeholfen. Nach Aufhebung des Klosters
Gerode lebte ein Exconventual dieses Klosters: Aloys Seesd in Hundeshagen, dann
der Exconventual Adrian Fromm (Reifenstein) war gestorben 1825. Hundeshagen hat
465 Einwohner, die Kolonie Freiheit 126.
1798 Es entstanden in kürzester Zeit eine große
Anzahl von Musikkapellen. Die Harfenistenkapellen, so nannte man bald diese
Orchester, waren klein. Gewöhnlich bestanden sie aus höchstens 3-4 Personen,
darunter auch Mädchen und Frauen, denen der sogenannte Chorführer vorstand.
um 1800 Erste Blasorchester entstehen. Sie sind
mindesten mit 6-8 Musikern größer als die kleinen Harfenkapellen und werden von
Männern gebildet.
1801 Das Eichsfeld kommt von kurmainzischer unter
die Herrschaft Preußen's.
1802 Hundeshagen wird offiziell preußisch. Am
25.Juni starb der letzte Erzbischof und Churfürst von Mainz, zu welchem Staate
seit 1000 Jahren des Eichsfeld gehört hatte. Schulze (Bürgermeister) war damals
Heinrich Hüther unter dem Johann Franz Kachel. Ignaz Maring war Schullehrer. Die
Frucht war teuer.
1804 Die Frucht wurde noch teurer und stieg.
Das Malter Korn stieg bis Ende des Jahres über 10 Thaler.
1805 Es stiegen die Preise für Früchte noch
mehr, so daß Korn aus dem Auslande herangeholt werden mußte, um den Hunger zu
entrinnen.
1806 Nach Napoleons Sieg in der Schlacht bei
Jena/Auerstädt wird auch das Eichsfeld durch die Franzosen besetzt. Am
18.Oktober kam die Retirade des Kgr. Corps, das der Herzog von Weimar und Prinz
von Braunschweig führten, durch diese Gegend. Dann folgten unmittelbar die
Besatzungen der Franzosen. Pfarrer Lillingen war Pfarrverweser.
1807 1. Stiftung der Freischule (Stifter
Christoph Sauer) Hundeshagen wurde dem neu errichteten Königreich Westfalen
zugeordnet.
1808 Eine Volkszählung der französischen
Regierung ergibt für Hundeshagen 764 Einwohner und für die Kolonie "Freiheit" 62
Einwohner. Es geschah die westfälische Organisation.
1809 Es waren Schill und der Herzog von Braunschweig in der Nähe von
Hundeshagen.
1810 Es wurden die englischen Waren verbrannt.
1811 Es wurde der Zug nach Rußland vorbereitet.
Am 18. April 200 Stück Schafe zum treiben von den Herren von Westernhagen.
1812 Es wurde der Zug nach Rußland voll umgesetzt
zum Unglück für Napoleon Bonaparte und dessen Bruder Hieronymus, König von
Westphalen.
1813 Es wurden die Franzosen über den Rhein
wieder zurück gejagt. Das Königreich Westphalen hatte ein Ende und die Krone
Preußen's nahm abermals Besitz vom Eichsfeld und damit auch über Hundeshagen.
1814 Es erfolgte am 30.03. der Einzug der
verbündeten Östereicher, Preußen und Russen in Paris. Josef Mollenhauer wurde
Schulze (Bürgermeister)
1815 Am 18. Juni wurde die Schlacht von Belle
Alliance geschlagen und Frankreich ist stolz. Paris wurde zum zweitenmal
erobert, wo auch viele Eichsfelder dabei waren.
1816 Ein Teil Frankreichs blieb besetzt. Witwe
Eleonore Weinrich aus Reinholterode stiftete 600 Thaler für die Freischule in
Hundeshagen. Am 28. Oktober ist Heinrich Föllmer Schullehrer. Die Fruchtpreise
steigen wieder an. Der Kreis Worbis wurde gegründet und Hundeshagen diesem
zugeordnet. Es gehört somit zum Regierungsbezirk Erfurt in der Provinz Sachsen.
1817 Am 5. Mai wurden durch den Definitor
Monecke in der Kirche zu Berlingerode die Schulkinder von Hundeshagen geprüft.
Das Urteil lautete: "Im Lesen ,Schreiben und Rechnen waren die Kinder sehr
zurück. Kein Wunder, denn selbst in der Kirche während der Prüfung war der
Schullehrer Föllmer berauscht. Die Fruchtpreise stiegen weiter an.
1818 Die Fruchtpreise sind wieder gefallen.
1821 Es waren Ende April und Anfang Mai schon
Gewitter. Pferdearzt Ulrich Hartmann starb am 7.März. Er war 100 Jahre alt
geworden.
1823 Die alte Kirche wird wegen Baufälligkeit
gesperrt. Am 25. März starb der wohlberühmte Ackersmann und Handelsmann
Christoph Sauer in Hundeshagen. Er war der erste Spender mit 300 Thaler für die
Freischule in Hundeshagen im Jahre 1807. Er war 67 Jahre alt.
1825 Am 24.Januar starb nach einem Schlaganfall
Herr Pater Adrian Fromm, Exconventual Cisterzienser Ordens Kloster Reifenstein,
der seit 1818 vom 10. Juni an bei dem Gastwirt Karl Hüther gewohnt hatte in
königlicher Pension für jährlich 250 Thaler. Am 18. Mai wurde Schullehrer
Toellmer quisciert und zum aktiven Schul- und Kirchendienst wurde eingesetzt:
Georg Leopold Gassmann von Martinfeld.
1828 Am 22. Mai wurde Nachts gegen 22,00 Uhr
der Halbmeister Ulrich Lindemann von einem Baron erstochen. Er verstarb am 23.
Mai im Alter von 48 Jahren.
1830 Am 1.Mai wurde Josef Mollenhauer als
Schulze abgesetzt und Philipp Faupel als Schulze eingesetzt.
1833 Am 3.Januar hatte der Schulze Faupel
abgedankt. An seine Stelle trat am 17.Januar Hüther und wurde Schulze von
Hundeshagen. Am 9.November morgens zwischen 7 und 8 Uhr fing das Haus des
Witwers Josef Thiele in Hundeshagen unter dem Dache an zu brennen. In einer
Stunde war die Gefahr beseitigt.
1835 Am 4.Mai wo der Pfarrer Lillinger auf dem
Kirchhofe in Berlingerode beerdigt wurde, wohnten auch sämtliche Schulkinder aus
Hundeshagen unter Aufsicht ihres ehrenwerten Lehrers Gaßmann dem Leichenzug bei.
Sichtbar äußerten sich bei diesen Kleinen, wie ungern sie Ihren Pfarrer
entbehrten.
Am 22. Mai besuchte der Schulrat Boche aus Erfurt
die Schule in Hundeshagen, dieselbe fand er nicht in dem gewünschten Zustande,
die Schulstube schlecht und klein. Es konnte nur der allernotwendigste
Schulunterricht durchgeführt werden. Auch nahm derselbe die alte baufällige
Kirche in Augenschein. Er äußerte sich über den baldigen Neubau derselben und
versprach dazu alle nützlichen Verwendungen bei hiesigen Behörden. Den Erfolg
wird die Zeit lehren.
Am 29.Juli ereignete sich dem achtbaren Musiker
Johannes Beding zu Hundeshagen ein tragisches Ereignis. Frisch und gesund ging
er in Gesellschaft seiner Handwerksgenossen auf Nahrung aus, sah sich aber
genötigt, nach Hause zurückzukehren, wurde dann bald von einer den Verstand in
Verwirrung setzenden Krankheit befallen. In dieser Raserei ließ er niemanden
unbeschädigt, er prügelte Frau und Kinder auf erbärmlichste Weise und würde sie
erwürgt haben, wenn sie seiner Wut nicht entflohen wären. Auch hätte er bald
seine Nachbarin ermordet. So wie sich seine Wut auf Menschen erstreckte, so
erstreckte sie sich auch auf leblose Gegenstände. Er zerstörte alles, was ihm
in die Finger kam. Da sah sich der Ortsvorstand genötigt, ihn an eine Kette zu
legen. Nach wenigen Wochen waren seine Kräfte am Ende und er verstarb im
42.Lebensjahr
1838 Pfarrer Zehrt stellt den Antrag auf die
Errichtung einer Pfarrei in Hundeshagen
1843/1844 Es ist in Hundeshagen ein neues, für
drei Klassen eingerichtetes Schulhaus von der Gemeinde gebaut worden. 600 Thaler
wurde an Unterstützung gegeben. Es wurde eine hölzerne Kirche gebaut für die
Summe von 4085 Thaler von dem Maurermeister Josef Klapprott aus Lüderode. Die
Bausumme gab der König als Gnadengeschenk und die Einwohner leisteten Hand und
Spanndienste.
Am 5.Oktober 1845 wurde die Kirche durch ein
Mitglied des Hochwürdigen Bischöflichen Kommissariates zu Heiligenstadt, Dr.
Conrad Zehrt unter Assistenz mehrerer benachbarter Geistlicher eingeweiht. Das
alte Kirchen- und Schulgebäude stand im Oberdorfe (heute Kiel unterhalb des
Friedhofes) auf der rechten Seite ungefähr 400 Schritte von den neuen Gebäude
entfernt. Die Musiker des Ortes stiften eine Statue der "Heiligen Cäcilia ",
Schutzpatronin der Musiker.
1845 Im Januar 1845 begann Schullehrer Wehenkel
den Unterricht in den neuen Räumen der Schule mit 260 Kindern.
1847 Es wurde durch den Bischof Franziskus die Lokalkaplanei in Hundeshagen
errichtet. Die Urkunde ist datiert: Paderborn, den 26.Oktober 1847. Das
Präsentationsrecht wurde dem König von Preußen zugestanden (jährlich 200 Thaler). Derselbe hat jedoch dieses Recht nie ausüben können, da sich für die geringe
dotierte Prüfung kein Bewerber meldete. Als Kaplanwohnung wurde der nach der
Straße zu gelegene Teil des Schulgebäudes genutzt, da er für Schulzwecke nicht
genutzt wurde und auch dafür nicht ausgebaut war. Diese Wohnung ist von Kaplänen
bis zum Jahre 1905 bewohnt worden.
1849 Es wurde eine Feuerwehrspritze angeschafft
von der Gemeinde 1860 In der Fremde verstarben bis 1880 20 junge Menschen. Es
ist alles viel schwerer geworden.
1863 Am 21. d. Monats ist unweit von Hundeshagen
die Leiche der Witwe Faßhauer und am 22.d.Monats auf dem Wege von Steinbach nach
Hundeshagen die Leiche des Lehrers Pfeil aus Hundeshagen gefunden worden. In
beiden Fällen soll das stattgefundene Unwetter Ursache des Todes sein. Josef
Wand ist zum ersten Lehrer der Katholischen Schule Hundeshagen ernannt.
Der Tischler Wilhelm Müller ist für die Zeit vom 1.Juli des Monat bis ultimo
Dezember 1866 zum dasigen Ortserheber erwählt, bestätigt und verpflichtet
worden. Dies öffentlich zur Kenntnis.
Teistungen, den 7.August 1863
Der Königliche Landrat i.A. der Kreis-Sekretär Lanz
Seelenzahl von 1861 Hundeshagen mit Eylungen und dem Forsthaus
Eichholz 1258 Seelen.
Der zur Versorgung berechtigte Jäger August Jacob ist zum Königlichen
Fortsaufseher ernannt und mit der Verwaltung der Fortsaufseherstelle zu
Hundeshagen, Oberförsterei Reifenstein beauftragt.
Minus - Licitation
Zur Verdingung des Ausbaues der Kaplaneiwohnung zu Hundeshagen an den
Mindestfordernden - zu 768 Thalern veranschlagt - ist ein Termin auf Dienstag,
29.d.Monats im Sauer'schen Gatshause daselbst anberaumt, wozu qualifizierte
Bauunternehmer mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die im Bau zu Grunde
liegende Bedingungen beim Schulzen Heddergott zur Einsicht offen liegen.
Hundeshagen, den 18.Dezember 1863 Der Schul-
und Ortsvorstan
1864 Mühlen - Verkauf
Meine bei Hundeshagen belegene sogenannte Ober - Mühle mit einer Mahlanlage,
Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, zwei Morgen Land, ein halber Morgen Obst- und
Gemüsegarten und Holzscheine, beabsichtige ich aus freier Hand zu verkaufen.
Hundeshagen, den 19. Februar 1864 Müller Franz Raab
Der bisherige Schullehrer zu Faulungen, Johannes
Mainzer ist erster Schullehrer an unserer Schule.
1864 Der Schöppe Sauer zu Hundeshagen beabsichtigt am 29. und 30. d. Monats
eventuell bei ungünstiger Witterung 02. und 03.d.Monats ein bei dem Gute
Eylungen gelegenes Stück von 70-80 Morgen Heide abzubrennen, was hierdurch
öffentlich zur Kenntnis gebracht wird.
Worbis, den 26.April 1864 Der Königliche
Landrat Frantz
10 Tahler Belohnung
Am Communikationswege von Teistungen nach Hundeshagen und an der Chausee sind
gegen 100 Stück Obstbäume abgedreht und abgeschnitten worden. Wer den Täter so
anzeigt, daß derselbe zur gerichtlichen Untersuchung und Bestrafung gezogen
werden kann, erhält eine Belohnung von 10 Thalern.
Teistungen, den 18.April 1864 Der Ortvorstand
Kullmann-Schulze
Am 18.Juni d.J. Nachmittags 2 Uhr, werden im
Hüther'schen Gasthause zu Hundeshagen 1 Pferd, 1 Wagen, 2 Tischen, 3 Stühle, 4
Schränke,
3 Laden, 1 Bettstelle, 1 Wanduhr, 1 Spiegel, 1 Futterbank und andere
Gerätschaften - gegen bare Bezahlung - verkauft.
Worbis, den 30.Mai 1864 Schuchardt gerichtlicher
Auctions-Kommissar
1865 500-600 Stück veredelte Äpfel- und
Birnenstämmchen stehen zum Verkauf auf dem Gute Eylungen bei Hundeshagen. 60-63
Thaler Gemeindegelder liegen in der Gemeinde Hundeshagen zum sofortigen
Ausleihen gegen 5 pct.Zinsen bereit. Nähere Auskünfte erteilt der Schulze
Heddergott.
Verdingung
Fortsetzung des Chauseemäßigen Ausbaues des Communicationsweges von hier nach
Teistungen, ungefähr 40 Ruthen lang, soll die erforderliche Erdarbeit der dies
föllige Steinschlag, sowie die Herstellung der Pack- und Deckenlage an den
Mindestforderungen, Sonnabend den 26.d Monats Vormittags 10 Uhr im hiesigen
Schullokale verdingen werden, wozu Unternehmungslustige hierdurch eingeladen
werden. Hundeshagen, den 20 August 1865 Der Schulze Heddergott
1866 Der Vertrag der Eisenbahn
Leinefelde-Gotha ist am 12.01.1866 in Erfurt unterschrieben worden. Die
Generalversammlung der Aktionäre ist am 19.2.1866 in Gotha anberaumt.
1866-1867 Warnung
Hiermit warnen wir jeden über das nahe dem hiesigen Orte zwischen Friedrich
Schindler einerseits und Philipp Frankenstein und Johannes Bode andererseits
belegte Ackerland zu gehen. Widrigenfalls sehen wir genötigt die gesetzlichen
Strafen zu beantragen.
Hundeshagen hat mit Eylungen und dem Forsthaus
Eichholz 1246 Einwohner.
Der bisherige provisorische Lehrer Johannes Lier
ist als zweiter Schullehrer der katholischen Gemeinde Hundeshagen angestellt
worden (07.04.1866).
1867 Am hiesigen Schulgebäude bedarf es einer
Reparatur, betreffend von Zimmer- und Maurerarbeiten. Es sollen 7-8 beinahe
durchgefallene Säulen durch neue ersetzt werden, sowie auch ein neues Pflaster
von der Kirche bis zur Schule führend, soll im Winter der Minus-Licitation
verdungen werden. Hierzu steht der Termin auf Mittwoch, den 13. Februar des
Jahres, morgens 11,00 Uhr im Wilhelm Kruse‘schen Gasthause hier an, zu welchem
Unternehmer mit dem Bemerken eingeladen werden, daß der Kostenanschlag von heute
ab bei mir eingesehen werden kann und die näheren Bedingungen bekannt gemacht
werden.
Hundeshagen, den 3. Februar 1867 Der Schulze Heddergott
Einige Hundert Morgen Land bei Eylungen gelegen,
beabsichtige von Martini des Jahres ab anderweit zu verpachten. Pachtlustige
wollen sich bitte bei mir melden.
Teistungen, den 12. Juni 1867 v. Westernhagen Kreisgerichtsrat
Nach der amtlichen Anzeige des Kreistierarztes
Mummenthey sind unter den Schafen der Gemeindeherde zu Hundeshagen die
natürlichen Pocken ausgebrochen. In dem ich dies zur öffentlichen Kenntnis
bringe, empfehle ich ihnen zugleich bei der Vermeidung der angedrohten Strafen
die genaue Befolgung der in der Polizeiverordnung der Königlichen Regierung zu
Erfurt vom 28.März 1865 - abgedruckt in Nummer 31 des Kreisblattes pro 1865 -
vorgeschriebenen Vorsichtsmaßregeln.
Worbis, den 6.Juli 1867 Der Königliche Landrat Franz
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom
6.Juli d.J. (Kreisblatt Nr. 53) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis,
daß die Pockenkrankheit unter den Schafen der Ökonomen Philipp Sauer, Carl
Hüther und Kruse zu Hundeshagen erloschen ist.
Worbis, den 31.August 1867 Der Königliche Landrat Franz
um 1870 Jedes Jahr
ziehen 20-30 Kapellen in alle Teile Deutschlands und angrenzende Länder und
Spielen auf Kirmes, Festen und Jahrmärkten, wie Münchener Oktoberfest, Fürther
Kärwa, Bremer Freimarkt, Ulmer Dult, Kölner Karneval, in vielen größeren und
kleineren Orten, aber auch auf Familienfesten.
1871 Mein weißer Hund mit schwarz-weißem Kopf, gestutzten Ohren und Schwanz ist
in der Nacht vom 9.zum 10.d. Monats abhanden gekommen. Wer mir über den Verbleib
des Hundes und Erlangung desselben Auskunft geben kann, erhält eine gute
Belohnung. Ferdinand Zellermann in Hundeshagen
1872 Verdingung
1. Der zu 1215 Thlr. veranschlagte Neubau einer Schulscheune nebst Stallung und
Einfriedung des Hofraumes
2. Die zu 367 Thlr.15 Sgr. veranschlagte Umdeckung des bisherigen Kirchendaches
mit Groß-Allmeröder Ziegeln und
3. Die von 81 3/4 Hundert Ziegeln von Groß-Allmerode soll im einzelnen oder
auch im ganzen auf den 25.d.M. Morgens 10 Uhr im Johannes Mollenhauer'schen
Gasthause hierselbst Mindestforder ist verdingen werden. Die Bedingungen werden
im Termine bekannt gemacht und durch die Kostenanschläge können auch vorher im
hiesigen Schulzenamte eingesehen werden. Hundeshagen, den 12. November 1872
Der Ortsvorstand
1873 Gründung des
Männergesangvereins "Concordia"
1879 Ein
"Klinger" Musikant namens Christoph Borchardt zieht bis nach Spanien und spielt
dort Eichsfelder Kirchenlieder.
1883 In
Hundeshagen wurde eine Postargentur eröffnet.
1886 Der gerade
12 -jährige Bub Christoph Hunold I mußte mit der Kapelle des August Mollenhauer
wochenlang durch grund- und endlose Pfade im Steppenstaub des zaristischen
Rußland's wandern und musizieren.
1889 Die Straße
nach Breitenbach wird erbaut
1892 Die Straße
nach Teistungen wird erbaut. Beide Straßen werden in den Folgejahren weiter
ausgebaut.
1895 Der
Musikverein " Eintracht " wird gebildet. Mitglieder sind alle, die sich der
Musik gewidmet hatten und im Wandergewerbe tätig waren oder sind. Für den Verein
wird ein großes Orchester gebildet.
um 1900 Alljährlich
ziehen 10-12 Blaskapellen hinaus, vorwiegend nach Posen, Pommern, Ost- und
Westpreußen. Auch die Gründung der Zigarrenfabrik im Ort bringen die
Hundeshagener von ihrer Wanderlust nicht ab.
1908 Von 1362
Einwohnern Hundeshagen's sind 600 Musiker 488 männliche und 112 weibliche gehen
auf Wanderschaft. Dieses sind 40 % aller Dorfbewohner. Von diesen sind 163
männliche und 6 weibliche als Meister oder auf eigene Rechnung tätige Personen.
1912 Die Zahl der Blaskapellen nimmt ab. Der Grund hierfür lag an der Bildung
von Musik- und Militärkapellen. Viele der ehemaligen Blasmusiker ziehen nach dem
Vorbild von Italienern als Drehorgelmänner durch die Lande(3.Zweig der
Hundeshagener Volksmusik).
1914 64
Hundeshagener sind Drehorgelspieler. Es kommt die Kunst des Gläserspielens auf,
eine besondere Art des Musizierens.
1922 Die
Hundeshagener Haushalte erhalten elektrische Beleuchtung.
1925 Gründung des
Turnvereins "Germania". Dieser schuf die Badeanstalt und einen Sportplatz.
1925 Bau eines
Landjägerdoppelhauses in Hundeshagen
Worbis, den 06.Juli 1926
Betr: Bau eine
Landjägerdoppelhauses mit Verfügung vom 12.Juli 1925.
Der durch
nebengenannte Verfügung genehmigte Bau eines Zweifamilienhauses für
Landjägereibeamte in Hundeshagen ist fertiggestellt. Die Beamten haben am 5.d.M.
die Wohnungen bezogen. Ich bitte zu veranlassen, daß den Beamten Überlandjäger
Brodmann und Mühlhause die fällige Miete ab 5.diesen Monats in Abzug gebracht
wird.
Vertrag Zwischen dem Kreiskommunalverbande des Kreises Worbis, vertreten durch
den mit Generalvollmacht d.d. Worbis, den 10.Juni 1924 versehenen Ersten
Kreisausschußobersekretär Josef Hollenbach zu Worbis, Kreis Worbis einerseits
und dem Landrat des Kreises Worbis, zu Worbis als Vertreter des
Regierungspräsidenten in Erfurt andererseits, wird unter dem Vorbehalte der
Genehmigung des Herrn Ministers des Innern, nachstehender Vertrag vereinbart.
Der vorgenannte Kommunalverband verpflichtet sich auf dem zu Hundeshagen
belegenen Grundstück Kartenblatt. I Parz.1077 zum 1.Juli 1926 ein Wohngehöft für
die in Hundeshagen stationierten 2 Landjäger z.F. zu erbauen dasselbe bis zum
1.Juli 1926 beziehbar fertig zu stellen und vom vorgedachten Zeitpunkte ab, an
den Preußischen Staat zu vermieten. Das Gehöft ist nach Maßgabe der vom
Regierungspräsidenten in Erfurt genehmigten Zeichnungen erbaut worden. Jede der
beiden Wohnungen enthält im: Hauptgebäude: Kellergeschoß, 1 Waschküche, 2
Kellerräume
Erdgeschoß: 2 Wohnzimmer, 1 Küche, 1 Speisekammer
Obergeschoß: 2 Wohnräume, 1 Bodenkammer
Stallgebäude: 1 Abort, 1 Ziegen-,1 Schweine-,1 Holzstall
Der Kommunalverband Worbis vermietet das vorbezeichnete Gehöft an den
Preußischen Staat vom 1.Juli 1926 ab zur Verwendung als Wohnraum für 2 Landjäger
gegen einen jährlichen Mietzins von 700 Rm, in Worten: Dieser Vertrag gilt
jedesmal als auf ein ferneres Jahr verlängert, wenn nicht sechs Monate vor
Ablauf der Vertragszeit von einem der beiden Teile der Vertrag gekündigt wird.
Worbis, den 5. Juni 1926 Der Landrat Name des Vermieters gez. Unterschrift gez. Hollenbach
Vorstehender Vertrag wird auf Grund des Erlasses des Herrn Ministers des Inneren
vom 29.Juni 1925 G II 564 I Allg. genehmigt.
Erfurt, den 31.Juli 1926 Der Regierungspräsident In Vertretung
gez. v. Keudell
Verhandelt,
Hundeshagen, den 2.September 1929
Gemäß Verfügung des
Herrn Landrats vom 31.August d. Js. -6517 L- begab sich heute der Unterzeichnete
nach Hundeshagen um die vom Oberlandjäger Mühlhause bis einschließlich 31.August
1929 innegehabte Dienstwohnung abzunehmen. Im Beisein des Oberlandjägers
Mühlhause wurde dessen bisherige Dienstwohnung von dem Unterzeichneten
Oberlandjägermeister im ordnungsge- mäßen Zustande übernommen und an dessen
Nachfolger Landjäger a.Pr.Andermann übergeben. Für Oberlandjäger Mühlhause hat
die Nutzung der Dienstwohnung am 31.August 1929 geendigt und für Landjäger a.Pr.
am 1.September 1929 begonnen. Letzterer ist über das beflaggen seiner
Dienstwohnung belehrt. Ein Mietvertrag konnte, weil nicht vorhanden, weder
abgenommen noch übergeben werden.
1930 Die
Straßenbeleuchtung wurde installiert
1933 Der Turnverein
löste sich auf Hundeshagen, den 3.September
1933. Mit dem
1.April 1933 hatte ich meinen Dienst als Überlandjäger auf Probe in Hundeshagen
angetreten. Vom gleichen Tage an bewohne ich, die für den Landjäger Posten I
bestimmte Dienstwohnung in Hundeshagen. Meine Familie ist in der früheren, in
Potsdam, Ruinenbergstr.15 verblieben. Für die Wohnung in Potsdam bezahle ich
monatlich insgesamt 54 RM Miete.
Den Wohnungsumzug von Potsdam nach hier, hoffe
ich nach meiner Anstellung in der Landjägereivornehmen zu dürfen. Während meiner
Abordnung zur Landjägereischule ist meine Dienstwohnung, die ich behelfsmäßig
eingerichtet hatte, geräumt und unbewohnt. Die Schlüssel werde ich bei der
Landjägereiabteilung in Worbis niederlegen. Mir ist es nicht möglich, neben den
Krankenhauskosten für meine Frau in Potsdam (St.Josef-Krankenhaus) die Miete für
zwei Wohnungen aufzubringen. Ich bitte daher nur, während meiner Abordnung zum
Lehrgang mir das Wohnungsgeld für meine Wohnung in Hundeshagen zu erlassen.
Oberlandjäger a.Pr. Grieß
Worbis, den
6.September 1933
Urschriftlich dem
Regierungspräsidenten in Erfurt weitergereicht. Der Oberlandjäger auf Probe
Grieß in Hundeshagen ist durch dortige Verfügung vom 23.08.d.Js. Ne.2811 - IPL -
zur Teilnahme an den Lehrgang an der Landjägereischule Trier für die Zeit vom
9.September bis 21.Dezember 1933 abkommandiert.
Verhandelt, Hundeshagen, den 1.Februar 1934
Infolge Versetzung nach Zwinge Kreis Worbis mit Wirkung vom 1.Februar 1934 habe
ich die Dienstwohnung in meinem bisherigen Standort heute, 1. Februar 1934
geräumt v.g.u. Robert Grieß
Hundeshagen, den 09.03.1934
Mit Wirkung vom
1.März 1934 nach Hundeshagen einberufen. Ich habe den Dienst am 1.März
angetreten und die Dienstwohnung in Hundeshagen übernommen. Da ich unverheiratet
bin, und noch keinen eigenen Wohnsitz besitze, bewohne ich nur ein 1 Zimmer in
der Dienstwohnung. Ich bitte daher, mir nur dieses eine Zimmer bei Abzug der
Miete in Anrechnung zu bringen. gez.Wippermann Gend.-Wachmeister a. Pr.
Wippermann
19.12.1933 Der
Gemeinderat beschließt, daß die Reparatur in der neuen Schule zurückgestellt
werden muß, denn ein Darlehen kann nicht aufgenommen werden und aus eigenen
Mitteln ist es gar nicht möglich die Beseitigung des Schwammes vorzunehmen zu
können, da die Gemeinde in sehr schwierigen Verhältnissen steht, welches ja wohl
dem Kreisausschuß bekannt sein dürfte.
30.12.1933 Für die
Schwesternstation soll in diesem Winter 3 Meter Kiefernbrennholz zum Feuer
anmachen unentgeltlich gegeben werden. Das Brennholz am Fuchsberge soll den
Arbeitern, welche dabei gearbeitet haben, zum Tagespreis a 3,00 Mark je Meter
überlassen werden.
1934 Karl
Hottenrott wurde auf seiner Tour mit der Drehorgel durch Mecklenburg von einem
Münchener Zeitungsjungen interviewt. Es stand eine Familiengeschichte der
Hottenrotts (erschienen in der Morgenpost).
20.06.1934 Die
Renovierung des Saales soll vergeben werden an hiesige Maler, wenn Sie die
Arbeit für den selben Preis liefern wollen wie der Kostenvoranschlag von Grimm
aus Breitenbach.
11.07.1934 I. Eine
Beihilfe für Reparatur und Erneuerung des Kraftwagens für den
Regierungsobersekretär Brandenburger wurde abgelehnt, da die Gemeinde selbst
sich in einer sehr schlechten wirtschaftlichen Notlage befindet.
II.Das Bier,
welches die Feuerwehr bei der Spritzenprobe getrunken hat, soll von der Gemeinde
bezahlt werden unter Anrechnung des für die Feuerwehr angesetzten Jahres Etats.
Worbis, den 13. November 1934
Der
Gendarmeriemeister Tute, früher in Uder; Kreis Heiligenstadt / Eichsfeld hat am
1.d.Mts. seinen Dienst im Postenbereich Hundeshagen angetreten. Vom gleichen
Zeitpunkt ab ist ihm die Wohnung des Gend. Hauptwachtmeister auf Probe
Wippermann in Hundeshagen zugewiesen. Gend.Hauptwachtmeister Wippermann befindet
sich bis 21.12.d.Js. auf der Gend.Schule in Trier. Dem Landrat in Heiligenstadt
habe ich davon in Kenntnis gesetzt. Wippermann ist gleichzeitig benachrichtigt.
Die Benutzung der Dienstwohnung in Hundeshagen endet am 1.März 1935.
1935 Die
Harfenmädchen aus Hundeshagen waren auf der "Fürther Kirmes" und eröffneten
diese.
09.01.1935 Das
Bauholz zum Bau einer Leichenhalle soll von der Gemeinde unentgeltlich geliefert
werde.
13.02.1935 Die
Anschaffung einer Kleinmotorspritze wird abgelehnt, da uns bei einem Brande die
Kreismotorspritze zur sofortigen Verfügung steht und die Gemeinde auch keine
Mittel zur Verfügung hat.
17.02.1935 Die
Gemeindewirtschaft wurde an den Schlachtermeister Rudolph Weber aus Steinbach zu
einem Pachtzins von jährlich 2000 Rm ab 01.04.1935 auf 6 Jahre bis zum
31.03.1941 verpachtet.
27.02.1935 Der
Brunnen im Katzhagen soll neu ausgebracht und mit einer Pumpe versehen werden.
Anton Blaschkowski soll den Brunnen reinigen, die Brunnenrohre soll Langlott
selbst stellen. Der Brunnen auf der Freiheit soll besichtigt werden.
19.03.1935 Den
Brunnen auf der Freiheit will Langlott fix und fertig liefern für 30 Rm.
Betreffs des Freiheiter Brunnens soll Langlott spezielle Rechnung vorlegen, eine
für Borbrunnen, eine für Ausschachtungsbrunnen. Von den Malerarbeiten in der
Gemeindewirtschaft sollen Kostenvoranschläge eingereicht werden von Egert und
Ringleb.
Worbis, den 26.März
1935
Der Gend.
Hauptwachtmeister Gentemann nimmt zur Zeit und zwar bis 15. April 1935 an einem
Lehrgang auf der Gend. Schule in Trier teil. Nach erfolgreicher Beendigung des
Lehrganges wird Gentemann sofort den Umzug von Osnabrück nach Hundeshagen
ausführen. Gentemann hat die Dienstwohnung in Hundeshagen am 31.März 1936
geräumt.
27.03.1935 Zum
Brunnen im Katzhagen soll ein Eisendeckel besorgt werden. Kostenvoranschlag soll
von Goldmann und von Ferna eingeholt werden. Für den Brunnen in der Dautel soll
Langlott am nächsten Sonntag 3 Uhr Nachmittags bestellt und die Beiräte
entscheiden zum entgültigen Entschluß. Die Renovierung der Gemeindewirtschaft
wurde dem Maler Florentin Egert zum Preise von 110 Rm übertragen. Die Arbeiten
haben laut Kostenvoranschlag zu erfolgen.
31.03.1935 In der
Dautel soll ein Borbrunnen gemacht werden zum Preis von 150 Rm, derselbe ist dem
Brunnenbauer Langlott Berlingerode übertragen, der Deckel zum Brunnen im
Katzhagen wird von Langlott für 8 Rm geliefert. Der Brunnen in der Dautel soll
innerhalb 8 Tagen angefangen werden und fertig bis Ostern 1935. Ist er nicht
fertig, so wird für jeden Tag 5 Rm in Abzug gebracht. Der Brunnen im Katzhagen
soll nochmals gereinigt werden. Unterschrift : Josef Langlott
11.04.1935 Der
Brunnen auf der Freiheit soll an der beabsichtigten Stelle errichtet werden.
07.04.1936 Auf
Beschluß des Gemeinderates wird eine Schreibmaschine vom Typ "Olympia" im Werte
von 220,50 Rm gekauft.
Worbis, den 6.Mai 1936
Gend. Hauptwachtmeister Willy Schulz wird am 1.Mai 1936 nach Hundeshagen
versetzt. Er verstarb am 09.Mai 1939 im Alter von 40 Jahren. Seine Ehefrau
Elisabeth Schulz, geb. Maue, hat die Dienstwohnung in Hundeshagen am 07.Juni
1939 geräumt und nach Duisburg-Ruhrort, Thielenstr.3 verzogen.
1936 Es erfolgte
die Aufnahme der Hundeshagener Wandermusikanten in die Reichsmusikkammer. Damit
verbunden war ein Verbot des Auftritts in Großstädten.
1937 Nach etwas
mehr als einem Jahr Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer, werden die
Hundeshagener Musiker wieder ausgegliedert.
22.06.1937 Die
Badeanstalt wird von Seitens der Gemeinde, als Eigentum abgelehnt, da selbige
sich in einem verwahrlosten Zustande befindet und aus finanziellen Gründen nicht
übernommen werden kann. Das Angebot vom 20.08.1935 kann nicht aufrecht erhalten
werden, da die jetzige Instandsetzung derselben den Betrag von 600 Rm weit
übersteigen würde.
28.07.1937 Gegen
die Übernahme der Badeanstalt auf die Gemeinde werden von den Gemeinderäten
folgende Bedenken erhoben: I. Instandsetzung und Erhaltung der Badeanstalt. II.
Besoldung eines staatlich geprüften Bademeisters, da die Badeanstalt vorwiegend
von Kindern benutzt wird, da alle Erwachsene beruflich in der Fremde sind, ist
mit einer wesentlichen Einnahme nicht zu rechnen. Die Finanzierung konnte unter
diesen Verhältnissen schon von den Turnverein nicht aufrecht erhalten und
durchgeführt werden.
11.03.1938
Friedhofsordnung sowie Benutzungsgebühren wird zur Genehmigung eingereicht.
11.03.1938 Die
Gemeinde ist gewillt, die Badeanstalt zu übernehmen. In Anbetracht der hohen
Instandsetzungskosten und der finanziellen Notlage der Gemeinde wird gebeten,
den Kaufpreis auf 300,00 Rm zu ermäßigen.
27.06.1938 Die
Übernahme der Badeanstalt wird bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt.
27.07.1938 Das
Angebot des Herrn Regierungspräsidenten in Erfurt an die Gemeinde Hundeshagen
auf die Übernahme der Badeanstalt für 300,00 Rm wird entgegen genommen.
1939 Die
Antragsteller auf einen Wandergewerbeschein werden ärztlich untersucht und
soweit sie arbeitsfähig waren, vom Arbeitsamt auf Arbeitsplätze geschickt. Außer
einigen alten Männern zogen nur noch wenige hinaus.
30.03.1939
Hundeshagen tritt dem Deutschen Roten Kreuz bei.
28.06.1939
Hundeshagen hat 1558 Einwohner. Die Waschküche in der Schule erhält im Sommer
1939 eine Beleuchtungsanlage. Auftrag erhielt Franz Hölscher aus Leinefelde für
61,90 Rm.
23.08.1939 Die
erste Klasse erhält 24 neue Schulbänke (12 Stück Größe 6 / 12 Stück Größe 7)
Preis : 633,60 Rm
Worbis, den 14. November 1939
Der Hilfsgendarm
Göbel bewohnt ab Oktober 1939 die Dienstwohnung. Als Vergütung für die
Inanspruchnahme der Wohnung werden 12 Rm einschließlich Lichtanlage als
angemessen in Vorschlag gebracht.
21.03.1940 Die
Badeanstalt soll mit einem lebenden Zaun versehen werden.
Worbis, den 12.September 1942
Hauptwachmeister
Gend.Bähring bezieht am 10.09.1942 die Dienstwohnung. Die monatliche Miete
beträgt 27,26 Rm.
Am 15.Dezember 1943
erschien auf der Dienststelle der Hauptwachmeister der Gend. Johannes Wolf und
meldete, daß er in Berlin in seiner dortigen Wohnung Totalbombenschaden erlitten
hat. Aus diesem Grund wurde seine Ehefrau mit der 15.jährigen Tochter dort
vorläufig untergebracht. Der Bürgermeister in Hundeshagen hat seine Zustimmung
gegeben.
Worbis, den 21.Mai 1949
Von Bischofferode
nach Hundeshagen wird versetzt der Überwachungs-beamte Thiel. Er bittet darum
eine Garage für seinen PKW errichten zu lassen. Die Dienstwohnung wurde von ihm
am 8.Juli 1947 geräumt.
30.08.1947 In
Hundeshagen gibt es einen Ziegenzuchtverein.
22.12.1947 Änderung
des Kriegerdenkmales. Der Zaun soll entfernt und die Bäume gefällt werden.
Weiter wurde beschlossen, die Anlage zu verkleinern und zum Frühjahr Zierbäume
zu pflanzen.
25.02.1949
Anteilige Kosten der politischen Gemeinde Hundeshagen zu der baulichen
Unterhaltung des Pfarrgebäudes in Berlingerode; 10 von 13 Stimmen stimmten
dafür, 50 % der angefallenen Kosten dafür zu übernehmen, wie vereinbart.
22.07.1949 Der
Entwurf des Gemeindesiegels im Bild Geige, Flöte und Trompete wurde aufgenommen.
23.08.1949 Die
Landstraße (staatliche Straße) auf dem Zehnsberg muß von der Gemeinde mit 830,00
DM finanziert werden.
1955 Durch die
Musikschule "Franz Liszt" in Weimar unter der Leitung von Prof. Kraft und
Dr. Thomas wurde das Wandermusikergewerbe erforscht. Darüber existieren Tonbänder
und Filme sowie gesonderte Aufzeichnungen.
1956 Die Musiker
erhalten noch einmal für ein halbes Jahr ihren Gewerbeschein, der erst das
Musizieren in der Fremde ermöglicht. Durch die innerdeutsche Teilung ist dieses
nur auf dem Gebiet der DDR möglich.
1960 Durch die
Ansiedlung und den Ausbau von Industriebetrieben auf dem Eichsfeld
(Baumwollspinnerei Leinefelde, Zementwerk Deuna, Zentronik Worbis, Solidor
Heiligenstadt u.a.) wurde auch die Tätigkeit der Hundeshagener Bevölkerung immer
besser und Seßhaftigkeit wurde gewissermaßen erzwungen. Die Wanderschaft der
Musiker hatte somit sein Ende.
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