Das Musikantendorf Hundeshagen in Vergangenheit und Gegenwart


Ferdinand Flecks & August Söchting, Trageweise von Geige & Harfe 1949


Der Ort Hundeshagen liegt ungefähr in der Mitte des Eichsfeldes, in einem anmutigen Tale, rings von bewaldeten und sanft ansteigenden Höhen umschlossen. Ein Bach, mit den Namen "Nisse" schlängelt sich durch das Straßendorf und zählt heute ca.1300 Einwohner. Der ursprüngliche Dorfkern befand sich im Bereich der heutigen Straße "Kiel".

1282   urkundliche Ersterwähnung als Hundeshagen (wahrscheinlich 15.04. von Huno's Hagen) Die Ritter von Westernhagen erwarben das Patronatsrecht der Kirche von Hundeshagen vom Kloster Teistungenburg.

1312 Graf Otto von Lutterberg (Schloss zu Lauterberg) übertrug seine Voigtei über Hundeshagen dem Adelsgeschlecht von Westernhagen

1370   Die von Westerhagen bewilligten dem Pfarrer von Hundeshagen einen Zins von 2 Schillingen für heilige Messen

1551 Eine Liste belegt für Hundeshagen 28 Steuerzahler der sogenannten Türkensteuer

1570   Alle Westernhagen'schen Dörfer führten wegen drückender Dienstbarkeit Klage beim Reichskammergericht zu Speyer. Diese Klage führten die Dörfer mal mehr, mal weniger heftig bis 1573. Ob die Bewohner je Erleichterung ihrer Frondienste erreichten, ist nicht bekannt.

1574-1635 Unter dem Einfluss derer von Westernhagen wenden sich die Einwohner Hundeshagens dem Protestantismus zu.

um 1599 Entsprechend einer Aufzeichnung aus dieser Zeit, sollen Hundeshagener Volksmusikanten mit Dudelsack und Klarinette in verschiedenen Orten zum Tanze aufgespielt haben.

1608   543 Einwohner des Dorfes wurden zur katholischen Religion bekehrt


1618-1648 Der 30 jährige Krieg geht an Hundeshagen recht glimpflich vorbei, aber er belastet das Dorf finanziell doch sehr stark

1635   Die drei Westernhagen'schen Prediger wurden des Landes verwiesen

1699   Seit dieser Zeit existieren die Kirchenbücher in Hundeshagen. Die ersten Eintragungen sind folgende: Am 02.Januar 1699 ist Nikolaus Blase seine eheliche Hausfrau begraben. Am 20.Januar 1699 hat Hans Wilhelm Lindenschmidt eine Tochter taufen lassen, die den Namen Anna Margaretha erhielt. Die Paten waren Markus Jünemann und die Tochter von Hans Ferse, namens Margaretha. Am 28.Oktober 1699 sind Andreas Borchardt und Margaretha Sauer kopuliert

um 1700   Die Herren von Westernhagen gründen unterhalb der Burg Osternhagen auf ihrem eigenen Grund und Boden die Kolonie "Freiheit".  Aufgenommen wurde jeder, der den Schutz bezahlte. Diese Leute erhielten außerdem noch einen Bauplatz für ein eigenes Häuschen. Weiteres Land bekamen sie jedoch nicht und so fehlte es ihnen an lohnender Beschäftigung. Kümmerlich ernährten sie sich als Wollkämmer, Lumpen-sammler, Besenbinder, Korbflechter, Dachdecker, Kesselflicker und dgl.

1736 Das Dorf hat 498 Einwohner

1747   Unter A 37 a XIX Justizwesen ist im Archiv zu Magdeburg folgendes Aktenstück zu finden. Es trägt die Überschrift: "Landespolizeiliches Vorgehen gegen das in Westernhagen'schen Gericht angesiedelte Gesindel". Die Regierung in Heiligenstadt berichtete nach Mainz, dass seit mehr als 50 Jahren die von Westerhagen in ihrem Gerichtsbezirke sehr viele kleine Häuser und Hütten bauen. Sie ließen es auch geschehen, dass die Anbauer auch noch Einmietlinge aufnehmen dürften, die recht eine verdächtige Lebensweise hätten. Unter dem 17.03.1747 berichtet Hagen von Heiligenstadt, dass in den Dörfern Berlingerode, Bleckenrode, Teistungen und Hundeshagen sich sogenannte Freiheitshäuser befinden, die mit Erlaubnis der Herren von Westernhagen gegen gewisse Abgaben zu bauen erlaubt würde.

Den Anbauern wurde gestattet, so viele Einmietlinge anzunehmen, wie sie wollten. Jeder Einmietling musste jährlich an den Herren von Westernhagen, als Grundherren, den sogenannten Häuslingstaler geben. Wenn er seine Wohnung wechselte, muss der den Taler wieder bezahlen. Berlingerode hatte 25, Bleckenrode 9, Teistungen 3 und Hundeshagen 31 Freiheitshäuser. Genannt werden unter anderem folgende Namen: Barbara Döring, Hans Hund, Martin Rückemesser, Hans Schmalstieg, Maria Hackert, Hans Joachim Müller, Christoph Jakobi, Simon Döring, Barbara Dette, Johann Müller, Rachel Kellner, Christian Erhardt, Berndhard Urbach, Hans Heurich, Barbara Kirsch, Konrad Gerwich, Hans Wolf, Jonas Müller, Christian Weißenstein, Bernhard Schmalstieg Hans Adam Lange, Bastian  Schulze, Christian Waldhelm, Friedrich Hartung, Hans Georg Groll und Christoph Krippendorf.

Der Kurfürst bestimmt: "Was steht soll stehen bleiben, neue Freiheitshäuser dürfen nicht mehr gebaut werden. Verdächtige Personen sind aus den Häusern zu schaffen. (15.04.1747)"

1771-1772   Es war eine solche Hungersnot, dass in diesem Orte 100 Personen an Hunger gestorben sind und alte Menschen sahen aus wie "Tote Leichen". Das Korn war nicht allein teuer, sondern es war keines zu haben, man hatte manchmal in zwei, drei oder vier Wochen keine Mundvoll Brot und auch nichts zu kochen. Gras und Brennessel musste man essen wie das Vieh. Gott behüte jeden Menschen für solch eine Zeit.

Karl Wüstefeld "Kloster Teistungenburg":
In den Jahren 1771/1772 waren infolge der nasskalten Witterung die Ernten schlecht ausgefallen. Die Fruchtpreise erreichte eine ungeahnte Höhe und es entstand auf dem Eichsfelde eine große Hungersnot. Der Mangel an Nahrungsmittel war so groß, dass die armen Leute Gras, Disteln, Heddrich, Löwenzahn und andere Kreuter kochten und verzehrten.

Aus Kleie und Wasser backten Sie ein hartes und sehr schwer zu verdauendes Brot. Sogar Fleisch von tot gegangenen Tieren wurde verzehrt. Infolge der schlechten Nahrung brachen mancherlei Krankheiten aus und viele Menschen starben. Von großem Segen für die Gegend und Bevölkerung war damals das Kloster Teistungenburg, das sich der Armen erbarmte und seinen ganzen Vorrat an sie verteilte. Täglich  erhielten daselbst 1500 Personen ihr Brot. Die vorbeiziehenden Wanderer sind in der Summe nicht enthalten.

1773   Die Ernte war ziemlich gut, aber es gab eine große Mäuseplage.

1780  Ein Herr Namens Josef Neumann aus Böhmen, verheiratet mit einer Frau Elisabeth Sibilitz aus Hundeshagen, spielte eine ganze Reihe Instrumente. Seine Frau Elisabeth war ebenfalls sehr musikalisch und erlernte das Spielen auf der kleinen, sogenannten böhmischen Begleitharfe.

um 1789 Die Eheleute zogen von Ort zu Ort und spielten auf Festen zum Broterwerb. Sie unterrichteten in Hundeshagen und besonders in der Kolonie "Freiheit" viele Personen in den verschiedensten Instrumenten. Die Mädchen und Frauen erlernten das Harfen- und Gitarrenspiel, die Burschen und Männer wandten sich der Fiedel und dem Flötenspiel zu. Da die wirtschaftlichen Möglichkeiten besonders in der "Freiheit" wegen fehlenden Grund und Bodens sehr eingeschränkt waren und Handwerk allein zu Broterwerb im Dorf ebenso wie im gesamten Eichsfeld nicht ausreichte, entwickelte sich neben den Wanderhandwerkern in Hundeshagen eine neue Erwerbsgruppe, die Wandermusikanten. Damit entwickelte sich hier, ein für diese Gegend einzigartiges Handwerk.

1790 Aus dem Kirchenbuch:  Pfarrer Kachel stammt aus Breitenbach und war Pfarrer von Berlingerode von 1775-1808 und berichtet:
Hundeshagen hat in diesem Jahre 107 Familien, 465 Einwohner und 345 Kommunikanten die Freiheit 24 Familien, 126 Einwohner und 86 Kommunikanten. In Hundeshagen befinden sich auch einige Lutheraner aber keine Juden. Als Gehalt des Lehrers werden 50 Gulden angegeben. Einen Kaplan hatte der Pfarrer in diesem Jahr nicht und die Franziskaner von Worbis mussten Sonntags aushelfen.

1793   Zwischen dem 21. und 22.September fiel in der Nacht 1/2 Fuß hoher Schnee, so das die Bäume davon zerbrochen sind. Danach war wieder herrliches Herbstwetter.

1794   hat das Korn auf Markus geschoßt, 12. Mai geblüht und Jakobi wurde der Weizen reif.

1796   19.Dezember in Hundeshagen ein emigrierter französischer Priester gestorben und begraben, Josef Janwel, er lebte hier 1 Jahr, 7 Wochen. Die Leute haben ihn erhalten. Die Franziskaner Paters in Worbis haben in Hundeshagen und Ferna fleißig ausgeholfen. Nach Aufhebung des Klosters Gerode lebte ein Exconventual dieses Klosters: Aloys Seesd in Hundeshagen, dann der Exconventual Adrian Fromm (Reifenstein) war gestorben 1825. Hundeshagen hat 465 Einwohner, die Kolonie Freiheit 126.

1798   Es entstanden in kürzester Zeit eine große Anzahl von Musikkapellen. Die Harfenistenkapellen, so nannte man bald diese Orchester, waren klein. Gewöhnlich bestanden sie aus höchstens 3-4 Personen, darunter auch Mädchen und Frauen, denen der sogenannte Chorführer vorstand.

um 1800 Erste Blasorchester entstehen. Sie sind mindesten mit 6-8 Musikern größer als die kleinen Harfenkapellen und werden von Männern gebildet.

1801 Das Eichsfeld kommt von kurmainzischer unter die Herrschaft Preußen's.

1802 Hundeshagen wird offiziell preußisch. Am 25.Juni starb der letzte Erzbischof und Churfürst von Mainz, zu welchem Staate seit 1000 Jahren des Eichsfeld gehört hatte. Schulze (Bürgermeister) war damals Heinrich Hüther unter dem Johann Franz Kachel. Ignaz Maring war Schullehrer. Die Frucht war teuer.

1804   Die Frucht wurde noch teurer und stieg. Das Malter Korn stieg bis Ende des Jahres über 10 Thaler.

1805   Es stiegen die Preise für Früchte noch mehr, so daß Korn aus dem Auslande herangeholt werden mußte, um den Hunger zu entrinnen.

1806   Nach Napoleons Sieg in der Schlacht bei Jena/Auerstädt wird auch das Eichsfeld durch die Franzosen besetzt. Am 18.Oktober kam die Retirade des Kgr. Corps, das der Herzog von Weimar und Prinz von Braunschweig führten, durch diese Gegend. Dann folgten unmittelbar die Besatzungen der Franzosen. Pfarrer Lillingen war Pfarrverweser.

1807   1. Stiftung der Freischule (Stifter Christoph Sauer) Hundeshagen wurde dem neu errichteten Königreich Westfalen zugeordnet.

1808   Eine Volkszählung der französischen Regierung ergibt für Hundeshagen 764 Einwohner und für die Kolonie "Freiheit" 62 Einwohner. Es geschah die westfälische Organisation.
1809 Es waren Schill und der Herzog von Braunschweig in der Nähe von Hundeshagen.

1810   Es wurden die englischen Waren verbrannt.

1811   Es wurde der Zug nach Rußland vorbereitet. Am 18. April 200 Stück Schafe zum treiben von den Herren von Westernhagen.

1812 Es wurde der Zug nach Rußland voll umgesetzt zum Unglück für Napoleon Bonaparte und dessen Bruder Hieronymus, König von Westphalen.

1813   Es wurden die Franzosen über den Rhein wieder zurück gejagt. Das Königreich Westphalen hatte ein Ende und die Krone Preußen's nahm abermals Besitz vom Eichsfeld und damit auch über Hundeshagen.

1814   Es erfolgte am 30.03. der Einzug der verbündeten Östereicher, Preußen und Russen in Paris. Josef Mollenhauer wurde Schulze (Bürgermeister)

1815   Am 18. Juni wurde die Schlacht von Belle Alliance geschlagen und Frankreich ist stolz. Paris wurde zum zweitenmal erobert, wo auch viele Eichsfelder dabei waren.

1816   Ein Teil Frankreichs blieb besetzt. Witwe Eleonore Weinrich aus Reinholterode stiftete 600 Thaler für die Freischule in Hundeshagen. Am 28. Oktober ist Heinrich Föllmer Schullehrer. Die Fruchtpreise steigen wieder an. Der Kreis Worbis wurde gegründet und Hundeshagen diesem zugeordnet. Es gehört somit zum Regierungsbezirk Erfurt in der Provinz Sachsen.

1817   Am 5. Mai wurden durch den Definitor Monecke in der Kirche zu Berlingerode die Schulkinder von Hundeshagen geprüft. Das Urteil lautete: "Im Lesen ,Schreiben und Rechnen waren die Kinder sehr zurück. Kein Wunder, denn selbst in der Kirche während der   Prüfung war der Schullehrer Föllmer berauscht. Die Fruchtpreise stiegen weiter an.

1818   Die Fruchtpreise sind wieder gefallen.

1821   Es waren Ende April und Anfang Mai schon Gewitter. Pferdearzt Ulrich Hartmann starb am 7.März. Er war 100 Jahre alt geworden.

1823   Die alte Kirche wird wegen Baufälligkeit gesperrt. Am 25. März starb der wohlberühmte Ackersmann und Handelsmann Christoph Sauer in Hundeshagen. Er war der erste Spender mit 300 Thaler für die Freischule in Hundeshagen im Jahre 1807. Er war 67 Jahre alt.

1825 Am 24.Januar starb nach einem Schlaganfall Herr Pater Adrian Fromm, Exconventual Cisterzienser Ordens Kloster Reifenstein, der seit 1818 vom 10. Juni an bei dem Gastwirt Karl Hüther gewohnt hatte in königlicher Pension für jährlich 250 Thaler. Am 18. Mai wurde Schullehrer Toellmer quisciert und zum aktiven Schul- und Kirchendienst wurde eingesetzt: Georg Leopold Gassmann von Martinfeld.

1828   Am 22. Mai wurde Nachts gegen 22,00 Uhr der Halbmeister Ulrich Lindemann von einem Baron erstochen. Er verstarb am 23. Mai im Alter von 48 Jahren.

1830   Am 1.Mai wurde Josef Mollenhauer als Schulze abgesetzt und Philipp Faupel als Schulze eingesetzt.

1833   Am 3.Januar hatte der Schulze Faupel abgedankt. An seine Stelle trat am 17.Januar Hüther und wurde Schulze von Hundeshagen. Am 9.November morgens zwischen 7 und 8 Uhr fing das Haus des Witwers Josef Thiele in Hundeshagen unter dem Dache an zu brennen. In einer Stunde war die Gefahr beseitigt.

1835   Am 4.Mai wo der Pfarrer Lillinger auf dem Kirchhofe in Berlingerode beerdigt wurde, wohnten auch sämtliche Schulkinder aus Hundeshagen unter Aufsicht ihres ehrenwerten Lehrers Gaßmann dem Leichenzug bei. Sichtbar äußerten sich bei diesen Kleinen, wie ungern sie Ihren Pfarrer entbehrten.

Am 22. Mai besuchte der Schulrat Boche aus Erfurt die Schule in Hundeshagen, dieselbe fand er nicht in dem gewünschten Zustande, die Schulstube schlecht und klein. Es konnte nur der allernotwendigste Schulunterricht durchgeführt werden. Auch nahm derselbe die alte baufällige Kirche in Augenschein. Er äußerte sich über den baldigen Neubau derselben und versprach dazu alle nützlichen Verwendungen bei hiesigen Behörden. Den Erfolg wird die Zeit lehren.

Am 29.Juli ereignete sich dem achtbaren Musiker Johannes Beding zu Hundeshagen ein tragisches Ereignis. Frisch und gesund ging er in Gesellschaft seiner Handwerksgenossen auf Nahrung aus, sah sich aber genötigt, nach Hause zurückzukehren, wurde dann bald von einer den Verstand in Verwirrung setzenden Krankheit befallen. In dieser Raserei ließ er niemanden unbeschädigt, er prügelte Frau und Kinder auf erbärmlichste Weise und würde sie erwürgt haben, wenn sie seiner Wut nicht entflohen wären. Auch hätte er bald seine Nachbarin ermordet. So wie sich seine Wut auf Menschen erstreckte, so erstreckte sie sich auch auf leblose Gegenstände. Er zerstörte alles, was ihm in die Finger kam. Da sah sich der Ortsvorstand genötigt, ihn an eine Kette zu legen. Nach wenigen Wochen waren seine Kräfte am Ende und er verstarb im 42.Lebensjahr

1838   Pfarrer Zehrt stellt den Antrag auf die Errichtung einer Pfarrei in Hundeshagen

1843/1844   Es ist in Hundeshagen ein neues, für drei Klassen eingerichtetes Schulhaus von der Gemeinde gebaut worden. 600 Thaler wurde an Unterstützung gegeben. Es wurde eine hölzerne Kirche gebaut für die Summe von 4085 Thaler von dem Maurermeister Josef Klapprott aus Lüderode. Die Bausumme gab der König als Gnadengeschenk und die Einwohner leisteten Hand und Spanndienste.

Am 5.Oktober 1845 wurde die Kirche durch ein Mitglied des Hochwürdigen Bischöflichen Kommissariates zu Heiligenstadt, Dr. Conrad Zehrt unter Assistenz mehrerer benachbarter Geistlicher eingeweiht. Das alte Kirchen- und Schulgebäude stand im Oberdorfe (heute Kiel unterhalb des Friedhofes) auf der rechten Seite ungefähr 400 Schritte von den neuen Gebäude entfernt. Die Musiker des Ortes stiften eine Statue der "Heiligen Cäcilia ", Schutzpatronin der Musiker.

1845   Im Januar 1845 begann Schullehrer Wehenkel den Unterricht in den neuen Räumen der Schule mit 260 Kindern.

1847 Es wurde durch den Bischof Franziskus die Lokalkaplanei in Hundeshagen errichtet. Die Urkunde ist datiert: Paderborn, den 26.Oktober 1847. Das Präsentationsrecht wurde dem König von Preußen zugestanden (jährlich 200 Thaler). Derselbe hat jedoch dieses Recht nie ausüben können, da sich für die geringe dotierte Prüfung kein Bewerber meldete. Als Kaplanwohnung wurde der nach der Straße zu gelegene Teil des Schulgebäudes genutzt, da er für Schulzwecke nicht genutzt wurde und auch dafür nicht ausgebaut war. Diese Wohnung ist von Kaplänen bis zum Jahre 1905 bewohnt worden.

1849   Es wurde eine Feuerwehrspritze angeschafft von der Gemeinde 1860 In der Fremde verstarben bis 1880 20 junge Menschen. Es ist alles viel schwerer geworden.

1863 Am 21. d. Monats ist unweit von Hundeshagen die Leiche der Witwe Faßhauer und am 22.d.Monats auf dem Wege von Steinbach nach Hundeshagen die Leiche des Lehrers Pfeil aus Hundeshagen gefunden worden. In beiden Fällen soll das stattgefundene Unwetter Ursache des Todes sein. Josef Wand ist zum ersten Lehrer der Katholischen Schule Hundeshagen ernannt.


Der Tischler Wilhelm Müller ist für die Zeit vom 1.Juli des Monat bis ultimo Dezember 1866 zum dasigen Ortserheber erwählt, bestätigt und verpflichtet worden. Dies öffentlich zur Kenntnis.
Teistungen,  den 7.August 1863       

Der Königliche Landrat i.A. der Kreis-Sekretär Lanz

Seelenzahl von 1861 Hundeshagen mit Eylungen und dem Forsthaus Eichholz 1258 Seelen.

Der zur Versorgung berechtigte Jäger August Jacob ist zum Königlichen Fortsaufseher ernannt und mit der Verwaltung der Fortsaufseherstelle zu Hundeshagen, Oberförsterei Reifenstein beauftragt.

Minus - Licitation
Zur Verdingung des Ausbaues der Kaplaneiwohnung zu Hundeshagen an den Mindestfordernden - zu 768 Thalern veranschlagt - ist ein Termin auf Dienstag, 29.d.Monats im Sauer'schen Gatshause daselbst anberaumt, wozu qualifizierte Bauunternehmer mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die im Bau zu Grunde liegende Bedingungen beim Schulzen Heddergott zur Einsicht offen liegen.

Hundeshagen, den 18.Dezember 1863      Der Schul- und Ortsvorstan

1864     Mühlen - Verkauf
Meine bei Hundeshagen belegene sogenannte Ober - Mühle mit einer Mahlanlage, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, zwei Morgen Land, ein halber Morgen Obst- und Gemüsegarten und Holzscheine, beabsichtige ich aus freier Hand zu verkaufen.
Hundeshagen, den 19. Februar 1864    Müller Franz Raab

Der bisherige Schullehrer zu Faulungen, Johannes Mainzer ist erster Schullehrer an unserer Schule.


1864     Der Schöppe Sauer zu Hundeshagen beabsichtigt am 29. und 30. d. Monats eventuell bei ungünstiger Witterung 02. und 03.d.Monats ein bei dem Gute Eylungen gelegenes Stück von 70-80 Morgen Heide abzubrennen, was hierdurch öffentlich zur Kenntnis gebracht wird.

Worbis, den 26.April 1864    Der Königliche Landrat Frantz

10 Tahler Belohnung
Am Communikationswege von Teistungen nach Hundeshagen und an der Chausee sind gegen 100 Stück Obstbäume abgedreht und abgeschnitten worden. Wer den Täter so anzeigt, daß derselbe zur gerichtlichen Untersuchung und Bestrafung gezogen werden kann, erhält eine Belohnung von 10 Thalern.

Teistungen, den 18.April 1864    Der Ortvorstand Kullmann-Schulze

Am 18.Juni d.J. Nachmittags 2 Uhr, werden im Hüther'schen Gasthause zu Hundeshagen 1 Pferd, 1 Wagen, 2 Tischen, 3 Stühle, 4 Schränke, 3 Laden, 1 Bettstelle, 1 Wanduhr, 1 Spiegel, 1 Futterbank und andere Gerätschaften - gegen bare Bezahlung - verkauft.

Worbis, den 30.Mai 1864  Schuchardt gerichtlicher Auctions-Kommissar

1865 500-600 Stück veredelte Äpfel- und Birnenstämmchen stehen zum Verkauf auf dem Gute Eylungen bei Hundeshagen. 60-63 Thaler Gemeindegelder liegen in der Gemeinde Hundeshagen zum sofortigen Ausleihen gegen 5 pct.Zinsen bereit. Nähere Auskünfte erteilt der Schulze Heddergott.

Verdingung
Fortsetzung des Chauseemäßigen Ausbaues des Communicationsweges von hier nach Teistungen, ungefähr 40 Ruthen lang, soll die erforderliche Erdarbeit der dies föllige Steinschlag, sowie die Herstellung der Pack- und Deckenlage an den Mindestforderungen, Sonnabend den 26.d Monats Vormittags 10 Uhr im hiesigen Schullokale verdingen werden, wozu Unternehmungslustige hierdurch eingeladen werden. Hundeshagen, den 20 August 1865  Der Schulze Heddergott

1866     Der Vertrag der Eisenbahn Leinefelde-Gotha ist am 12.01.1866 in Erfurt unterschrieben worden. Die Generalversammlung der Aktionäre ist am 19.2.1866 in Gotha anberaumt.

1866-1867   Warnung
Hiermit warnen wir jeden über das nahe dem hiesigen Orte zwischen Friedrich Schindler einerseits und Philipp Frankenstein und Johannes Bode andererseits belegte Ackerland zu gehen. Widrigenfalls sehen wir genötigt die gesetzlichen Strafen zu beantragen.

Hundeshagen hat mit Eylungen und dem Forsthaus Eichholz 1246 Einwohner.

Der bisherige provisorische Lehrer Johannes Lier ist als zweiter Schullehrer der katholischen Gemeinde Hundeshagen angestellt worden (07.04.1866).

1867 Am hiesigen Schulgebäude bedarf es einer Reparatur, betreffend von Zimmer- und Maurerarbeiten. Es sollen 7-8 beinahe durchgefallene Säulen durch neue ersetzt werden, sowie auch ein neues Pflaster von der Kirche bis zur Schule führend, soll im Winter der Minus-Licitation verdungen werden. Hierzu steht der Termin auf Mittwoch, den 13. Februar des Jahres, morgens 11,00 Uhr im Wilhelm Kruse‘schen Gasthause hier an, zu welchem Unternehmer mit dem Bemerken eingeladen werden, daß der Kostenanschlag von heute ab bei mir eingesehen werden kann und die näheren Bedingungen bekannt gemacht werden.
Hundeshagen, den 3. Februar 1867     Der Schulze Heddergott

Einige Hundert Morgen Land bei Eylungen gelegen, beabsichtige von Martini des Jahres ab anderweit zu verpachten. Pachtlustige wollen sich bitte bei mir melden.
Teistungen, den 12. Juni 1867  v. Westernhagen Kreisgerichtsrat

Nach der amtlichen Anzeige des Kreistierarztes Mummenthey sind unter den Schafen der Gemeindeherde zu Hundeshagen die natürlichen Pocken ausgebrochen. In dem ich dies zur öffentlichen Kenntnis bringe, empfehle ich ihnen zugleich bei der Vermeidung der angedrohten Strafen die genaue Befolgung der in der Polizeiverordnung der Königlichen Regierung zu Erfurt vom 28.März 1865 - abgedruckt in Nummer 31 des Kreisblattes pro 1865 - vorgeschriebenen Vorsichtsmaßregeln.
Worbis, den 6.Juli 1867    Der Königliche Landrat Franz

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 6.Juli d.J. (Kreisblatt Nr. 53) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Pockenkrankheit unter den Schafen der Ökonomen Philipp Sauer, Carl Hüther und Kruse zu Hundeshagen erloschen ist.
Worbis, den 31.August 1867 Der Königliche Landrat   Franz

um 1870 Jedes Jahr ziehen 20-30 Kapellen in alle Teile Deutschlands und angrenzende Länder und Spielen auf Kirmes, Festen und Jahrmärkten, wie Münchener Oktoberfest, Fürther Kärwa, Bremer Freimarkt, Ulmer Dult, Kölner Karneval, in vielen größeren und kleineren Orten, aber auch auf Familienfesten.

1871 Mein weißer Hund mit schwarz-weißem Kopf, gestutzten Ohren und Schwanz ist in der Nacht vom 9.zum 10.d. Monats abhanden gekommen. Wer mir über den Verbleib des Hundes und Erlangung desselben Auskunft geben kann, erhält eine gute Belohnung. Ferdinand Zellermann in Hundeshagen

1872   Verdingung
1. Der zu 1215 Thlr. veranschlagte Neubau einer Schulscheune nebst Stallung und Einfriedung des Hofraumes
2. Die zu 367 Thlr.15 Sgr. veranschlagte Umdeckung des bisherigen Kirchendaches mit Groß-Allmeröder Ziegeln und
3. Die von 81  3/4 Hundert Ziegeln von Groß-Allmerode soll im einzelnen oder auch im ganzen auf den 25.d.M. Morgens 10 Uhr im Johannes Mollenhauer'schen Gasthause hierselbst Mindestforder ist verdingen werden. Die Bedingungen werden im Termine bekannt gemacht und durch die Kostenanschläge können auch vorher im hiesigen Schulzenamte eingesehen werden. Hundeshagen, den 12. November 1872   Der Ortsvorstand

1873   Gründung des Männergesangvereins "Concordia"

1879   Ein "Klinger" Musikant namens Christoph Borchardt zieht bis nach Spanien und spielt dort Eichsfelder Kirchenlieder.

1883   In Hundeshagen wurde eine Postargentur eröffnet.

1886   Der gerade 12 -jährige Bub Christoph Hunold I mußte mit der Kapelle des August Mollenhauer wochenlang durch grund- und endlose Pfade im Steppenstaub des zaristischen Rußland's wandern und musizieren.

1889   Die Straße nach Breitenbach wird erbaut

1892   Die Straße nach Teistungen wird erbaut. Beide Straßen werden in den Folgejahren weiter ausgebaut.

1895   Der Musikverein " Eintracht " wird gebildet. Mitglieder sind alle, die sich der Musik gewidmet hatten und im Wandergewerbe tätig waren oder sind. Für den Verein wird ein großes Orchester gebildet.

um 1900 Alljährlich ziehen 10-12 Blaskapellen hinaus, vorwiegend nach Posen, Pommern, Ost- und Westpreußen. Auch die Gründung der Zigarrenfabrik im Ort bringen die Hundeshagener von ihrer Wanderlust nicht ab.

1908   Von 1362 Einwohnern Hundeshagen's sind 600 Musiker 488 männliche und 112 weibliche gehen auf Wanderschaft. Dieses sind 40 % aller Dorfbewohner. Von diesen sind 163 männliche und 6 weibliche als Meister oder auf eigene Rechnung tätige Personen.

1912 Die Zahl der Blaskapellen nimmt ab. Der Grund hierfür lag an der Bildung von Musik- und Militärkapellen. Viele der ehemaligen Blasmusiker ziehen nach dem Vorbild von Italienern als Drehorgelmänner durch die Lande(3.Zweig der Hundeshagener Volksmusik).

1914   64 Hundeshagener sind Drehorgelspieler. Es kommt die Kunst des Gläserspielens auf, eine besondere Art des Musizierens.

1922   Die Hundeshagener Haushalte erhalten elektrische Beleuchtung.

1925   Gründung des Turnvereins "Germania". Dieser schuf die Badeanstalt und einen Sportplatz.

1925 Bau eines Landjägerdoppelhauses in Hundeshagen
Worbis, den 06.Juli 1926

Betr: Bau eine Landjägerdoppelhauses mit Verfügung vom 12.Juli 1925.

Der durch nebengenannte Verfügung genehmigte Bau eines Zweifamilienhauses für Landjägereibeamte in Hundeshagen ist fertiggestellt. Die Beamten haben am 5.d.M. die Wohnungen bezogen. Ich bitte zu veranlassen, daß den Beamten Überlandjäger Brodmann und Mühlhause die fällige Miete ab 5.diesen Monats in Abzug gebracht wird.

Vertrag Zwischen dem Kreiskommunalverbande des Kreises Worbis, vertreten durch den mit Generalvollmacht d.d. Worbis, den 10.Juni 1924 versehenen Ersten Kreisausschußobersekretär Josef Hollenbach zu Worbis, Kreis Worbis einerseits und dem Landrat des Kreises Worbis, zu Worbis als Vertreter des Regierungspräsidenten in Erfurt andererseits, wird unter dem Vorbehalte der Genehmigung des Herrn Ministers des Innern, nachstehender Vertrag vereinbart. Der vorgenannte Kommunalverband verpflichtet sich auf dem zu Hundeshagen belegenen Grundstück Kartenblatt. I Parz.1077 zum 1.Juli 1926 ein Wohngehöft für die in Hundeshagen stationierten 2 Landjäger z.F. zu erbauen dasselbe bis zum 1.Juli 1926 beziehbar fertig zu stellen und vom vorgedachten Zeitpunkte ab, an den Preußischen Staat zu vermieten. Das Gehöft ist nach Maßgabe der vom Regierungspräsidenten in Erfurt genehmigten Zeichnungen erbaut worden. Jede der beiden Wohnungen enthält im: Hauptgebäude: Kellergeschoß, 1 Waschküche, 2 Kellerräume
Erdgeschoß: 2 Wohnzimmer, 1 Küche, 1 Speisekammer
Obergeschoß: 2 Wohnräume, 1 Bodenkammer
Stallgebäude: 1 Abort, 1 Ziegen-,1 Schweine-,1 Holzstall
Der Kommunalverband Worbis vermietet das vorbezeichnete Gehöft an den Preußischen Staat vom 1.Juli 1926 ab zur Verwendung als Wohnraum für 2 Landjäger gegen einen jährlichen Mietzins von 700 Rm, in Worten: Dieser Vertrag gilt jedesmal als auf ein ferneres Jahr verlängert, wenn nicht sechs Monate vor Ablauf der Vertragszeit von einem der beiden Teile der Vertrag gekündigt wird.
Worbis, den 5. Juni 1926 Der Landrat  Name des Vermieters gez. Unterschrift         gez. Hollenbach        
Vorstehender Vertrag wird auf Grund des Erlasses des Herrn Ministers des Inneren vom 29.Juni 1925 G II 564 I Allg. genehmigt.
Erfurt, den 31.Juli 1926 Der Regierungspräsident In Vertretung                  gez. v. Keudell

Verhandelt, Hundeshagen, den 2.September 1929

Gemäß Verfügung des Herrn Landrats vom 31.August d. Js. -6517 L- begab sich heute der Unterzeichnete nach Hundeshagen um die vom Oberlandjäger Mühlhause bis einschließlich 31.August 1929 innegehabte Dienstwohnung abzunehmen. Im Beisein des Oberlandjägers Mühlhause wurde dessen bisherige Dienstwohnung von dem Unterzeichneten Oberlandjägermeister im ordnungsge- mäßen Zustande übernommen und an dessen Nachfolger Landjäger a.Pr.Andermann übergeben. Für Oberlandjäger Mühlhause hat die Nutzung der Dienstwohnung am 31.August 1929 geendigt und für Landjäger a.Pr. am 1.September 1929 begonnen. Letzterer ist über das beflaggen seiner Dienstwohnung belehrt. Ein Mietvertrag konnte, weil nicht vorhanden, weder abgenommen noch übergeben werden.

1930   Die Straßenbeleuchtung wurde installiert

1933 Der Turnverein löste sich auf Hundeshagen, den 3.September

1933. Mit dem 1.April 1933 hatte ich meinen Dienst als Überlandjäger auf Probe in Hundeshagen angetreten. Vom gleichen Tage an bewohne ich, die für den Landjäger Posten I bestimmte Dienstwohnung in Hundeshagen. Meine Familie ist in der früheren, in Potsdam, Ruinenbergstr.15 verblieben. Für die Wohnung in Potsdam bezahle ich monatlich insgesamt 54 RM Miete.

Den Wohnungsumzug von Potsdam nach hier, hoffe ich nach meiner Anstellung in der Landjägereivornehmen zu dürfen. Während meiner Abordnung zur Landjägereischule ist meine Dienstwohnung, die ich behelfsmäßig eingerichtet hatte, geräumt und unbewohnt. Die Schlüssel werde ich bei der Landjägereiabteilung in Worbis niederlegen. Mir ist es nicht möglich, neben den Krankenhauskosten für meine Frau in Potsdam (St.Josef-Krankenhaus) die Miete für zwei Wohnungen aufzubringen. Ich bitte daher nur, während meiner Abordnung zum Lehrgang mir das Wohnungsgeld für meine Wohnung in Hundeshagen zu erlassen.
Oberlandjäger a.Pr. Grieß

Worbis, den 6.September 1933

Urschriftlich dem Regierungspräsidenten in Erfurt weitergereicht. Der Oberlandjäger auf Probe Grieß in Hundeshagen ist durch dortige Verfügung vom 23.08.d.Js. Ne.2811 - IPL - zur Teilnahme an den Lehrgang an der Landjägereischule Trier für die Zeit vom 9.September bis 21.Dezember 1933 abkommandiert.
Verhandelt, Hundeshagen, den 1.Februar 1934
Infolge Versetzung nach Zwinge Kreis Worbis mit Wirkung vom 1.Februar 1934 habe ich die Dienstwohnung in meinem bisherigen Standort heute, 1. Februar 1934 geräumt v.g.u.  Robert Grieß 
Hundeshagen, den 09.03.1934

Mit Wirkung vom 1.März 1934 nach Hundeshagen einberufen. Ich habe den Dienst am 1.März angetreten und die Dienstwohnung in Hundeshagen übernommen. Da ich unverheiratet bin, und noch keinen eigenen Wohnsitz besitze, bewohne ich nur ein 1 Zimmer in der Dienstwohnung. Ich bitte daher, mir nur dieses eine Zimmer bei Abzug der Miete in Anrechnung zu bringen. gez.Wippermann Gend.-Wachmeister a. Pr. Wippermann

19.12.1933 Der Gemeinderat beschließt, daß die Reparatur in der neuen Schule zurückgestellt werden muß, denn ein Darlehen kann nicht aufgenommen werden und aus eigenen Mitteln ist es gar nicht möglich die Beseitigung des Schwammes vorzunehmen zu können, da die Gemeinde in sehr schwierigen Verhältnissen steht, welches ja wohl dem Kreisausschuß bekannt sein dürfte.

30.12.1933 Für die Schwesternstation soll in diesem Winter 3 Meter Kiefernbrennholz zum Feuer anmachen unentgeltlich gegeben werden. Das Brennholz am Fuchsberge soll den Arbeitern, welche dabei gearbeitet haben, zum Tagespreis a 3,00 Mark je Meter überlassen werden.

1934 Karl Hottenrott wurde auf seiner Tour mit der Drehorgel durch Mecklenburg von einem Münchener Zeitungsjungen interviewt. Es stand eine Familiengeschichte der Hottenrotts (erschienen in der Morgenpost).

20.06.1934 Die Renovierung des Saales soll vergeben werden an hiesige Maler, wenn Sie die Arbeit für den selben Preis liefern wollen wie der Kostenvoranschlag von Grimm aus Breitenbach.

11.07.1934 I. Eine Beihilfe für Reparatur und Erneuerung des Kraftwagens für den Regierungsobersekretär Brandenburger wurde abgelehnt, da die Gemeinde selbst sich in einer sehr schlechten wirtschaftlichen Notlage befindet.

II.Das Bier, welches die Feuerwehr bei der Spritzenprobe getrunken hat, soll von der Gemeinde bezahlt werden unter Anrechnung des für die Feuerwehr angesetzten Jahres Etats.
Worbis, den 13. November 1934

Der Gendarmeriemeister Tute, früher in Uder; Kreis Heiligenstadt / Eichsfeld hat am 1.d.Mts. seinen Dienst im Postenbereich Hundeshagen angetreten. Vom gleichen Zeitpunkt ab ist ihm die Wohnung des Gend. Hauptwachtmeister auf Probe Wippermann in Hundeshagen zugewiesen. Gend.Hauptwachtmeister Wippermann befindet sich bis 21.12.d.Js. auf der Gend.Schule in Trier. Dem Landrat in Heiligenstadt habe ich davon in Kenntnis gesetzt. Wippermann ist gleichzeitig benachrichtigt. Die Benutzung der Dienstwohnung in Hundeshagen endet am 1.März 1935.

1935   Die Harfenmädchen aus Hundeshagen waren auf der "Fürther Kirmes" und eröffneten diese.

09.01.1935 Das Bauholz zum Bau einer Leichenhalle soll von der Gemeinde unentgeltlich geliefert werde.

13.02.1935 Die Anschaffung einer Kleinmotorspritze wird abgelehnt, da uns bei einem Brande die Kreismotorspritze zur sofortigen Verfügung steht und die Gemeinde auch keine Mittel zur Verfügung hat.

17.02.1935 Die Gemeindewirtschaft wurde an den Schlachtermeister Rudolph Weber aus Steinbach zu einem Pachtzins von jährlich 2000 Rm ab 01.04.1935 auf 6 Jahre bis zum 31.03.1941 verpachtet.

27.02.1935 Der Brunnen im Katzhagen soll neu ausgebracht und mit einer Pumpe versehen werden. Anton Blaschkowski soll den Brunnen reinigen, die Brunnenrohre soll Langlott selbst stellen. Der Brunnen auf der Freiheit soll besichtigt werden.

19.03.1935 Den Brunnen auf der Freiheit will Langlott fix und fertig liefern für 30 Rm. Betreffs des Freiheiter Brunnens soll Langlott spezielle Rechnung vorlegen, eine für Borbrunnen, eine für Ausschachtungsbrunnen. Von den Malerarbeiten in der Gemeindewirtschaft sollen Kostenvoranschläge eingereicht werden von Egert und Ringleb.

Worbis, den 26.März 1935

Der Gend. Hauptwachtmeister Gentemann nimmt zur Zeit und zwar bis 15. April 1935 an einem Lehrgang auf der Gend. Schule in Trier teil. Nach erfolgreicher Beendigung des Lehrganges wird Gentemann sofort den Umzug von Osnabrück nach Hundeshagen ausführen. Gentemann hat die Dienstwohnung in Hundeshagen am 31.März 1936 geräumt.

27.03.1935 Zum Brunnen im Katzhagen soll ein Eisendeckel besorgt werden. Kostenvoranschlag soll von Goldmann und von Ferna eingeholt werden. Für den Brunnen in der Dautel soll Langlott am nächsten Sonntag 3 Uhr Nachmittags bestellt und die Beiräte entscheiden zum entgültigen Entschluß. Die Renovierung der Gemeindewirtschaft wurde dem Maler Florentin Egert zum Preise von 110 Rm übertragen. Die Arbeiten haben laut Kostenvoranschlag zu erfolgen.

31.03.1935 In der Dautel soll ein Borbrunnen gemacht werden zum Preis von 150 Rm, derselbe ist dem Brunnenbauer Langlott Berlingerode übertragen, der Deckel zum Brunnen im Katzhagen wird von Langlott für 8 Rm geliefert. Der Brunnen in der Dautel soll innerhalb 8 Tagen angefangen werden und fertig bis Ostern 1935. Ist er nicht fertig, so wird für jeden Tag 5 Rm in Abzug gebracht. Der Brunnen im Katzhagen soll nochmals gereinigt werden. Unterschrift : Josef Langlott

11.04.1935 Der Brunnen auf der Freiheit soll an der beabsichtigten Stelle errichtet werden.

07.04.1936 Auf Beschluß des Gemeinderates wird eine Schreibmaschine vom Typ "Olympia" im Werte von 220,50 Rm gekauft.
Worbis, den 6.Mai 1936

Gend. Hauptwachtmeister Willy Schulz wird am 1.Mai 1936 nach Hundeshagen versetzt. Er verstarb am 09.Mai 1939 im Alter von 40 Jahren. Seine Ehefrau Elisabeth Schulz, geb. Maue, hat die Dienstwohnung in Hundeshagen am 07.Juni 1939 geräumt und nach Duisburg-Ruhrort, Thielenstr.3 verzogen.

1936   Es erfolgte die Aufnahme der Hundeshagener Wandermusikanten in die Reichsmusikkammer. Damit verbunden war ein Verbot des Auftritts in Großstädten.

1937   Nach etwas mehr als einem Jahr Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer, werden die Hundeshagener Musiker wieder ausgegliedert.

22.06.1937 Die Badeanstalt wird von Seitens der Gemeinde, als Eigentum abgelehnt, da selbige sich in einem verwahrlosten Zustande befindet und aus finanziellen Gründen nicht übernommen werden kann. Das Angebot vom 20.08.1935 kann nicht aufrecht erhalten werden, da die jetzige Instandsetzung derselben den Betrag von 600 Rm weit übersteigen würde.

28.07.1937 Gegen die Übernahme der Badeanstalt auf die Gemeinde werden von den Gemeinderäten folgende Bedenken erhoben: I. Instandsetzung und Erhaltung der Badeanstalt. II. Besoldung eines staatlich geprüften Bademeisters, da die Badeanstalt vorwiegend von Kindern benutzt wird, da alle Erwachsene beruflich in der Fremde sind, ist mit einer wesentlichen Einnahme nicht zu rechnen. Die Finanzierung konnte unter diesen Verhältnissen schon von den Turnverein nicht aufrecht erhalten und durchgeführt werden.

11.03.1938 Friedhofsordnung sowie Benutzungsgebühren wird zur Genehmigung eingereicht.

11.03.1938 Die Gemeinde ist gewillt, die Badeanstalt zu übernehmen. In Anbetracht der hohen Instandsetzungskosten und der finanziellen Notlage der Gemeinde wird gebeten, den Kaufpreis auf 300,00 Rm zu ermäßigen.

27.06.1938 Die Übernahme der Badeanstalt wird bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt.

27.07.1938 Das Angebot des Herrn Regierungspräsidenten in Erfurt an die Gemeinde Hundeshagen auf die Übernahme der Badeanstalt für 300,00 Rm wird entgegen genommen.

1939   Die Antragsteller auf einen Wandergewerbeschein werden ärztlich untersucht und soweit sie arbeitsfähig waren, vom Arbeitsamt auf Arbeitsplätze geschickt. Außer einigen alten Männern zogen nur noch wenige hinaus.

30.03.1939 Hundeshagen tritt dem Deutschen Roten Kreuz bei.

28.06.1939 Hundeshagen hat 1558 Einwohner. Die Waschküche in der Schule erhält im Sommer 1939 eine Beleuchtungsanlage. Auftrag erhielt Franz Hölscher aus Leinefelde für 61,90 Rm.

23.08.1939 Die erste Klasse erhält 24 neue Schulbänke (12 Stück Größe 6 / 12 Stück Größe 7) Preis : 633,60 Rm
Worbis, den 14. November 1939

Der Hilfsgendarm Göbel bewohnt ab Oktober 1939 die Dienstwohnung. Als Vergütung für die Inanspruchnahme der Wohnung werden 12 Rm einschließlich Lichtanlage als angemessen in Vorschlag gebracht.

21.03.1940 Die Badeanstalt soll mit einem lebenden Zaun versehen werden.
Worbis, den 12.September 1942

Hauptwachmeister Gend.Bähring bezieht am 10.09.1942 die Dienstwohnung. Die monatliche Miete beträgt 27,26 Rm.

Am 15.Dezember 1943 erschien auf der Dienststelle der Hauptwachmeister der Gend. Johannes Wolf und meldete, daß er in Berlin in seiner dortigen Wohnung Totalbombenschaden erlitten hat. Aus diesem Grund wurde seine Ehefrau mit der 15.jährigen Tochter dort vorläufig untergebracht. Der Bürgermeister in Hundeshagen hat seine Zustimmung gegeben.
Worbis, den 21.Mai 1949

Von Bischofferode nach Hundeshagen wird versetzt der Überwachungs-beamte Thiel. Er bittet darum eine Garage für seinen PKW errichten zu lassen. Die Dienstwohnung wurde von ihm am 8.Juli 1947 geräumt.

30.08.1947 In Hundeshagen gibt es einen Ziegenzuchtverein.

22.12.1947 Änderung des Kriegerdenkmales. Der Zaun soll entfernt und die Bäume gefällt werden. Weiter wurde beschlossen, die Anlage zu verkleinern und zum Frühjahr Zierbäume zu pflanzen.

25.02.1949 Anteilige Kosten der politischen Gemeinde Hundeshagen zu der baulichen Unterhaltung des Pfarrgebäudes in Berlingerode; 10 von 13 Stimmen stimmten dafür, 50 % der angefallenen Kosten dafür zu übernehmen, wie vereinbart.

22.07.1949 Der Entwurf des Gemeindesiegels im Bild Geige, Flöte und Trompete wurde aufgenommen.

23.08.1949 Die Landstraße (staatliche Straße) auf dem Zehnsberg muß von der Gemeinde mit 830,00 DM finanziert werden.

1955   Durch die Musikschule "Franz Liszt" in Weimar unter der Leitung von Prof. Kraft und Dr. Thomas wurde das Wandermusikergewerbe erforscht. Darüber existieren Tonbänder und Filme sowie gesonderte Aufzeichnungen.

1956 Die Musiker erhalten noch einmal für ein halbes Jahr ihren Gewerbeschein, der erst das Musizieren in der Fremde ermöglicht. Durch die innerdeutsche Teilung ist dieses nur auf dem Gebiet der DDR möglich.

1960   Durch die Ansiedlung und den Ausbau von Industriebetrieben auf dem Eichsfeld (Baumwollspinnerei Leinefelde, Zementwerk Deuna, Zentronik Worbis, Solidor Heiligenstadt u.a.) wurde auch die Tätigkeit der Hundeshagener Bevölkerung immer besser und Seßhaftigkeit wurde gewissermaßen erzwungen. Die Wanderschaft der Musiker hatte somit sein Ende.

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